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08. Dezember 2008
Veikko aus Dluzyna Gorna – eine sehr traurige Geschichte mit einem Happy End!
Veikko ist jetzt Josha
Vielleicht erinnern Sie sich noch an die traurige Geschichte von Veikko auf unserer Homepage? ( Für die ganze Geschichte scrollen Sie bitte die Seite runter.)
Der Besitzer von Veikko hatte sich aufgehängt und sein treuer Gefährte Veikko hat dauerhaft neben ihm ausgeharrt. Er hat bis zum Schluss versucht ihn zu schützen, so dass man ihn mit einer Drahtschlinge dort wegholen musste und ins Tierheim brachte.
Und dort ist Veikko vor Kummer fast gestorben. Er, der immer frei neben seinem Besitzer laufen durfte, war nun auf kleinstem Raum hinter Gittern gefangen. Veikko ging in seine Hütte und kam tagelang nicht mehr heraus. Wollte keinen Kontakt und hatte sich einfach nur aufgegeben. Wahrscheinlich hat er bei sich gedacht, dass er versagt hat…
In dieser Zeit war Arne Knuth im Tierheim und hat Veikko dort gesehen, als er Elza (unsere Schäferhündin) dort abgeholt hat. Er hatte noch nie einen so traurigen und mutlosen Hund gesehen….
Also kam Veikko auf unsere Homepage (siehe ganz unten).
Lange tat sich nichts. Und dann kam die Mail von Frau Sch.
Irgendwie erschien sie uns gleich passend, was sich nach einem Telefonat nur mehr bestätigte. Das Problem war nur, daß Frau Sch. aus Bayern kommt und Veikko 630 km von ihr entfernt in einem Tierheim saß, das über keine regelmäßigen Ausreisemöglichkeiten für Hunde verfügt. Und da bei Frau Sch. viele Komponenten zusammen kommen mussten, damit es ein harmonisches Miteinander werden kann (Freundschaft mit Lucie – einer Veikko zum Verwechseln ähnelnden Tierschutzhündin, Eignung von Veikko zum Praxis-Begleithund etc.), war es ein hoher Unsicherheitsfaktor, den Hund einfach so über eine Fahrkette zu holen. Also gab es keine andere Möglichkeit für Frau Sch. als selbst nach Polen zu fahren und sich dort vor Ort ein Bild von ihm zu machen.
Zunächst hatte Frau Sch. große Bedenken, weil sie Tierheime und all die Schicksale und die verzweifelten Hoffnungen so bedrückend findet... Wenn Sie sich unsere Seiten über Dluzyna Gorna HIER noch einmal anschauen, verstehen Sie diese Ängste um so mehr!
Aber die Sorge um Veikko, nun Josha, überwand diese Ängste und setzte ein bewundernswertes Engagement frei, das nicht nur Josha zuteil wurde, sondern auch zwei anderen Hunden, die auf einer der Rückfahrten nach Deutschland einen Platz im Auto erhielten, um zu ihren neuen Pflegestellen ausreisen zu können.
Frau Sch. fuhr insgesamt 3 x für jeweils mehrere Tage nach Dluzyna Gorna um Veikko an sich zu gewöhnen. Veikko war zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr ängstlich und ließ sich kein Halsband anlegen. Wir von SABRO schickten sofort ein Geschirr für Veikko dort hin, aber leider hatten die Tierheimmitarbeiter wirklich nicht die Zeit um mit Veikko zu trainieren. So übernahm Frau Sch. selbst dieses Training und übte mit Veikko im Zwinger in vielen kleinen Intervallen und mit ganz viel Geduld. Was sich hier so einfach liest, war erschwert durch die Tatsache, dass Dluzyna Gorna überfüllt und die Geräuschkulisse einfach schrecklich ist. Um Frau Sch. und Veikko herum gab es immer wieder Beissereien in den Nachbarzwingern. Alle Hunde buhlen natürlich um Aufmerksamkeit…. Frau Sch. hat trotzdem nicht aufgegeben und sogar zwischen ihren Trainingseinheiten mit Veikko noch etwas mitgeholfen und zum Beispiel Drainagelöcher zwischen den Hütten der Kettenhunde ausgehoben. Wir sind sehr beeindruckt von diesem großen Engagement und sagen auf diesem Weg: Vielen, herzlichen Dank!!!!
Lesen Sie hier den Bericht von Frau Sch., wie die ersten Tage mit Veikko, jetzt Josha, in Deutschland waren:
Veikko wurde am 11.11. noch in Polen kastriert.
Als ich am nächsten Wochenende nach Polen kam, um nach ihm zu sehen, bot sich mir ein unguter Eindruck: der Trichter war kaputt und es war kein passender mehr da, Josha hatte sich die Wunde aufgeleckt und einige Fäden gezogen. Die Wunde war trotzdem reizfrei und Josha war ganz wedelnde Freude mich zu sehen. Aber genauso groß wie die Wiedersehensfreude war der Frust, wenn ich den Zwinger verließ. Zusätzlich wurde an diesem Wochenene ein Hund blutig gebissen, der in seinem Sechserzwinger hätte bleiben müssen, weil kein "Einzelzimmer " mehr frei gewesen wäre, wenn Veikko geblieben wäre.
So wollte ich Josha dort nicht lassen.
Ich habe mir also eine Gitterbox geliehen und Sonntag mittags meine Tierärztin in Deutschland angerufen, ob sie die postoperative Versorgung übernimmt und ihm Asyl gewährt bis die Narbe belastbar und die ‘Vorstellung‘ bei unserer Lucie möglich ist. Als nächstes ging es in großer Eile zu einem polnischen Tierarzt, um den Europäischen Heimtierpass ausstellen zu lassen, um dann endlich so schnell wie möglich die Heimreise mit Josha anzutreten. Er hat die Fahrt sehr tapfer durchgestanden. Josha wurde die kommenden Tage bei unserer Tierärztin untergebracht und ich besuchte ihn in dieser Zeit so oft wie möglich und fing schon einmal an, ihn an die Leine zu gewöhnen. Zunächst alleine, dann kamen mein Mann und Lucie hinzu.
Schon am ersten Tag saß er zu den Praxisöffnungszeiten am Empfang, war einfach nur nett und hat alle um die Pfote gewickelt.
Seit Freitag ist er nun bei uns und ein Schatz. Durch die ungeplante und vorzeitige Ausreise war bei seiner Ankunft alles lediglich improvisiert, nichts war fertig, er hat es uns offenbar nicht übel genommen. Josha geht inzwischen ganz prima an der Leine, verhält sich vorsichtig aber souverän und ist sichtlich zufrieden. Probleme machen nur das Alleinbleiben (und da arbeiten wir in winzigen Schritten dran) und ... Lucie:Sie ist völlig aus der Bahn geworfen. Zieht sich zurück, hat alles "vergessen", was sie konnte, steht unter Strom, liegt nicht mehr richtig, überlässt ihm alles, kann Streicheleinheiten gar nicht mehr genießen, weil sie dauernd nur ihn im Blick hat und fürchtet, dass all ihre Felle gerade fortschwimmen.
Aber sie macht das auf anständige Art, überhaupt viel noch von keinem der zwei Hunde ein böses „Wort“.
Josha hingegen findet Lucie soo klasse, ist ihr gegenüber aber taktvoll und vorsichtig.
Es ist schon nervenzerfetzend mit anzusehen wie schwer sich Lucie tut, aber es häufen sich schon die Anzeichen, dass Land in Sicht sein könnte. Das wird schon werden, die neue Situation ist ja auch erst ein paar Tage alt.
Schon nach so kurzer Zeit kann man deutlich erkennen, wie sehr sich Josha an Lucie orientiert und sich Sachen vor ihr abschaut. Auf diese Art und Weise haben wir schon ins-Auto-springen, Bleib und Sitz angebahnt.

Nach wenigen weiteren Tagen gibt es sogar noch mehr erfreuliche Neuigkeiten:Unser kleiner Bär ist ein so ausgesprochen lieber und feiner Hund, dass wir manchmal ganz geplättet sind. Er schaut, versucht alles richtig zu machen (außer wenn sein Schlitzohr mit ihm durchgeht, aber wir wollten ja auch einen lebenden, keinen scheintoten Hund) und genießt seine Streicheleinheiten so, dass er schon mal im Stehen eingeschlafen ist, um die Kraulung nicht zu unterbrechen oder durch Ablegen zu gefährden. Am Freitag haben wir ihn geholt, am Dienstag war er bereits das erste mal mit in der Arbeit im vierten Stock mit Kollegen, Schülern und Teppichboden und....mustergültig! Und natürlich der Star!
Am Mittwoch Nachmittag lag er während der Therapien (von denen ich unnötigerweise jede dritte abgesagt hatte, für alle Fälle) wie ein Fladenbrot neben dem Schreibtisch als sei dies das Natürlichste auf der Welt, sauber war er von der ersten Sekunde an (die vorsorglichen nächtlichen Kurzausflüge nach draußen bauen wir gerade ab).Um Lucie wirbt er äußerst geschickt (und hat sie auch schon ein Stück rumgekriegt).
Kurz, es könnte nicht besser gehen und ein klein bisschen alleine bleiben schaffen wir irgendwann auch noch.
Zwei Hunde aus dem Tierheim, beide mit einer schwierigen Vorgeschichte, und zweimal das große Los gezogen!

Josha ist wild entschlossen hier dazuzugehören. Wir freuen uns (und sogar Lucie fängt inzwischen an sich ein bißchen mitzufreuen), daß Josha jetzt neben uns stapft und wedelt und rüsselt.
Und wir danken allen, die uns unterstützt und geholfen haben: Mariola, ‘unseren‘ Tierärzten, Sabro und allen die mitgefiebert haben.
Josha läßt von seinem Jokkmokk aus Grüße an alle ausrichten.
Noch einige sehr wichtige Bemerkungen von Frau Sch. zum Abschluss hinsichtlich des Tierheims in Dluzyna Gorna:
Gerade, weil dieses Tierheim, schon allein durch die Überbelegung und durch zum Teil ungünstige bauliche Gegebenheiten, zu kämpfen hat, möchte ich betonen, wieviel sich dort in letzter Zeit zum Besseren entwickelt hat und entwickelt. Zum einen durch das Engagement und die Spenden einiger deutscher Tierschützer (u.a. ja, dankenswerterweise, auch durch Sabro) und vor allem durch den ungeheueren Einsatz einer polnischen Ärztin, die unter Einsatz ihrer Kraft, ihres Geldes und praktisch all ihrer Freizeit dort mithilft, dolmetscht und Verbesserungen anregt, koordiniert und auf deren Umsetzung dringt. Vor dieser Frau und dem was sie bewegt und veranlaßt habe ich allerhöchste Achtung und ich möchte ihre Arbeit ud die Verbesserungen dort würdigen und unterstützen. Gerade auch, weil sie im Tierheim auch unbequeme Neuerungen durchsetzt, ehrenamtlich, ohne offizielle Befugnisse, nur dank ihres immensen Einsatzes und aufgrund des 'Gewichtes', das sie durch den Rückhalt durch Unterstützer erhält. Ihr verdanke ich rührende und umsichtige Gastfreundschaft während all dieser Tage, Fahrten, Kontakte, Übersetzungen, telefonische Informationen und und und
Ohne die Hilfe dieser Frau wäre Veikkos Ausreise so nicht möglich gewesen. Insofern wäre ihr Einsatz für Veikko und seine Leidensgenossen auch deutlich erwähnenswerter als der meine.
13. September 2008
Dieser Hund und sein trauriges Schicksal lassen uns nicht los…
Veikko – was auf polnisch der Gefährte bedeutet – war seinem Besitzer ein treuer Gefährte bis in den Tod.
Als Arne Knuth vor einigen Monaten in Dulzyna Gorna im Tierheim war um Elza unsere Schäferhündin dort abzuholen, war Veikko einen Tag vorher eingetroffen.Obwohl auch dieses Tierheim mehr als überfüllt war, ist Arne dieser traurige Hund sofort aufgefallen. Es war wohl der traurigste und verzweifelste Hund, den er jemals gesehen hat…
Auf die Frage nach seinem Schicksal, erfuhr er, daß sich Veikkos Herrchen aufgehängt hat und der Hund noch unter dem Toten lag um ihn zu beschützen. Niemand konnte seinem Herrchen näher kommen, so daß man schließlich im Tierheim anrief und Veikko mit der Drahtschlinge gefangen und abtransportiert wurde.
Er ist nicht bösartig sondern nur unendlich traurig und verzweifelt.
Viel mehr wissen wir über ihn leider nicht. In diesem Tierheim in der Nähe von Görlitz ist seine Vermittlungschance eigentlich gleich Null, weil hier auch der Verein Hundehilfe Polen keine Hunde rausvermittelt.
Wir wollen es trotzdem für ihn versuchen und werden auch eine Transportmöglichkeit finden, sollte sich ein geeigneter Besitzer finden, der sein Herz an diesem hübschen Hund verliert und dem Veikko ein genauso treuer Gefährte sein kann und darf.
Veikko ist mit Sicherheit ein Picard-Mix – also ein Hütehund mit Beschützerinstinkt.
Sollten Sie ihm einen Platz geben können, werden wir uns bemühen weitere Fotos von ihm zu erhalten.


